Follow Me

Close

„Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt.“
Stefan Zweig

Die gastfreundliche und warmherzige Willkommenskultur Saudi-Arabiens ist in dessen reicher Kulturgeschichte verwurzelt. Kultureller Austausch zwischen verschiedenen Zivilisationen fand über Jahrtausende hinweg statt und prägt das Land und seine Menschen bis heute. An der Schnittstelle alter Handels- und Pilgerrouten gelegen, war es einst die Heimat antiker Zivilisationen und Kulturen und ist bis heute Brückenbauer zwischen den Welten. Gelebte Traditionen beruhen auf reichen Wurzeln.

Ein wesentlicher Teil der kürzlich entwickelten Saudi Vision 2030 besteht darin, dass das einzigartige Kulturerbe bewahrt, restauriert und international wahrgenommen wird. Saudi-Arabien zählt es zu seinen Verpflichtungen, Museen mit den modernsten Methoden in den Bereichen Sammlung, Erhaltung, Präsentation und Dokumentation auszustatten, zu errichten und jedem zugänglich zu machen. Des Weiteren ist geplant die Anzahl von UNESCO-registrierten saudischen Kulturstätten, zurzeit vier und 10 auf der Vorschlagliste, mehr als zu verdoppeln.

Das Land ist stolz auf seine nationale Identität, die seit jeher auf überregionalem Kulturkontakten und Austausch beruht hat. 2012 zeigte das Pergamonmuseum in Berlin unter dem Titel „Roads of Arabia“ spektakuläre Artefakte aus Ausgrabungen im Königreich.

Die kulturellen Anfänge

Älteste Zeugnisse eines kulturellen Kontakts zwischen Afrika und Asien konnten im Rahmen küstenarchäologischer Untersuchungen am Roten Meer entdeckt werden. In der Provinz Asir, in der Nähe von Harrat al-Birk, einem Vulkanfeld am Roten Meer, wurden Steinwerkzeuge, Hacken und tropfenförmige Faustkeile gefunden, die Einblicke in die Kultur der Altsteinzeit gewähren. Das sogenannte Acheuléen erstreckt sich grob gesagt über einen Zeitraum von circa vor 1,7 Millionen Jahren bis vor 150.000 Jahren. Die Artefakte zeigen den Anfang der Menschheit, die Lebensweise der Jäger und Sammler, die in komplizierten Arbeitsabläufen bereits Werkzeuge aus Lavagestein, Feuerstein und Quarzit fertigen konnten, um erlegte Tiere zu zerteilen. Ähnliche Ausgrabungsfunde wurden in Shuwayhitiyah, nahe Nadschran, Wadi Tathlith, 160 km nördlich von Nadschran, dem Saffaqah-Tal, 27 km südöstlich der Stadt Dawadmi/Dawadimi in der Provinz Riad, Wadi Fatimah und auf den Farasan-Inseln in der Provinz Dschasan gemacht. Bislang wurden mehrere tausend Ausgrabungsstätten aus der Altsteinzeit erfasst.

Symbole der kulturellen Identität: Pferde, Datteln und Kamele

Ein wichtiger Aspekt saudischer Kultur sind Pferderennen. Saudi-Arabien ist weltweit bekannt für seine Pferde, die mit großer Leidenschaft gezüchtet und geritten werden. Das Königreich ist Mitglied der Weltorganisation für die Bewahrung, Verbesserung und Aufrechterhaltung der Arabischen Pferderassen (WAHO – World Arabian Horse Organisation). Das Pferd gilt als besonders klug, loyal, ausdauernd und schön. Der Vollblut-Araber unterscheidet sich von anderen Pferderassen in erster Linie durch seinen kleinen Kopf, langen Hals und hohen Schweifansatz. Die Domestizierung und Zucht des arabischen Pferdes begann in Saudi-Arabien bereits 7.000 v. Chr. Ausgrabungen in al-Magar, in der Provinz Asir, zeigen ganz deutlich, wie bereits in der Jungsteinzeit das Pferd gezähmt und als Transportmittel verwendet wurde.

Dattelpalmen werden oftmals mit Saudi-Arabien assoziiert, und das nicht zu Unrecht. Die Produkte der über 20 Millionen saudischen Dattelpalmen werden nicht nur weltweit exportiert, sondern sind auch wesentlicher Bestandteil der saudischen Kultur und Küche, in der das gemeinschaftliche Mahl mit Freunden und Familie einen hohen Stellenwert hat. Aufgrund ihres hohen Zuckeranteils, der Mineralstoffe Chlorid, Kalium, Eisen, Magnesium und Kalzium sowie von Vitaminen ist die Dattel ein wertvolles Nahrungsmittel mit therapeutischer Wirkung bei Atmungs-, Herz- und Cholesterinproblemen. In Saudi-Arabien werden Datteln zum Kaffee gereicht und für zahlreiche Nachspeisen verwendet, wie etwa Mammoul, Al-Lakhoufa, AL-Hanini/Huneini, Al-Kelaijah, Al-Maqshoush, Al-Aseedah, Haysa Al-Tumreya, Al Rangina, Sheer Khurma oder Khoshaf. Datteln wurden bereits vor tausenden von Jahren in Saudi-Arabien kultiviert, gehandelt und Gästen zum Verzehr dargeboten. Felszeichnungen in Uqulqh, nahe Tayma in der Provinz Tabuk, oder beispielsweise Berichte des Forschungsreisenden Ibn Battuta über die Tarut-Insel in der Östlichen Provinz, nahe al-Qatif, die bereits circa 5.000 v. Chr. besiedelt war und die mit dem im bekannten Gilgamesch-Epos erwähnten Königreich Dilmun übereinstimmen könnte, zeugen von dieser langen Tradition.

Wer an Saudi-Arabien denkt, hat unweigerlich auch das Bild von Kamelen vor seinem geistigen Auge. Diese wunderschönen Last- und Nutztiere wurden bereits vor mehr als 4.000 Jahren geschätzt und zum besten Freund des Menschen. Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Tayma in der Provinz Tabuk, das an mehreren Stellen auch im Alten Testament erwähnt wird (z. B. Hiob 6, 19), oder auch Felszeichnungen in Chaibar in der Provinz Medina, circa 150 km nördlich der Stadt Medina, und in der Umm-Jirsan-Höhle sind Zeugen der langen Liebe zu einem Tier, dessen Milch und Urin von hohem Nutzen für die Gesundheit des Menschen sind. Der Stamm der Al Murrah, der in der Sandwüste Rub al-Chali, auch „Leeres Viertel“ genannt, lebt, wird oft als „ahl al-ba’ir“, das „Volk des Kamels“, bezeichnet. Er ist auch bekannt für seine Pferdezucht und bis dato unübertroffen im Fährtenlesen.

Poesie, Aromen und die arabische Gastfreundschaft

Ein wichtiges Element saudischer Kultur ist die Poesie, vor allem in Form von mündlich rezitierten und überlieferten Gedichten. Es gibt zahlreiche Poesiewettbewerbe und es gilt als besondere Ehre, zu einem Stehgreifgedicht aufgefordert zu werden, das von hochentwickelter Sprachfertigkeit und Kenntnis über die Kulturgeschichte des Landes zeugt. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich dabei Mundartgedichte in den jeweiligen dialektalen Varianten. Sie werden auch „Nabati-Gedichte“ genannt, in Anlehnung an die Nabatäer, die circa 800 v. Chr. ein eindrucksvolles Reich lenkten und das arabische Schriftsystem entwickelten. Die zweitgrößte Stadt ihres Königreiches liegt im Nordwesten Saudi-Arabiens, etwa 1.400 km nördlich von Riad, und ist als archäologische Ausgrabungsstätte Al-Hijr, besser bekannt als Mada’in Salih in der Provinz Medina, seit 2008 registrierte UNESCO-Weltkulturerbestätte.

Natürliche Aromen und Wohlgerüche spielen in der saudischen Gesellschaft eine große Rolle, vor allem als Raumduft und Parfum. Verschiedenste Varianten von Oud, dem Räucherholz vom Adlerholzbaum, und Bukhoor, Weihrauch, werden hergestellt und gern als Willkommensgeste verbrannt. Bereits das antike Dedan, das in der Bibel mehrmals erwähnt wird (z. B. Jes. 21, 1–10), und heute als Al Ula, 380 km nördlich von Medina gelegen, bekannt ist, war 400 v. Chr. Zentrum des Karawanenhandels und der Weihrauchstraße im Königreich Lihyan. Auch die Blumen aus Taif in der Provinz Mekka, vor allem die Damaszener-Rose, die dort kultiviert und beim jährlichen Rosenfestival gezeigt wird, werden für Parfums gern verwendet.

„Da kommt mein Gast“ ist ein typische Redewendung beim Anblick eines fremden Reisenden, was die Wichtigkeit der Gastfreundschaft verdeutlicht. Damit sich der Gast auch richtig zu Hause fühlt, wird er nicht nur verköstigt und unterhalten. Bereits beim Eintritt in das Heim des Gastgebers sollen ihn warme Farben und harmonische Muster, die je nach Region variieren, zum Bleiben und Entspannen einladen. Die Wandmalerei im Eingangs- und Wohnbereich hat in der traditionellen Architektur daher einen besonderen Stellenwert. Das in der Provinz Asir gelegene hängende Dorf von Habala des Stammes der Rijal Almaa, das für mehr als 1.000 Jahre nur mittels Seilen erreicht werden konnte, soll im Rahmen des UNESCO-Welterbe-Programms bewahrt werden. Das kleine Bergdorf in der Provinz Asir zeigt eindrucksvoll die sogenannte Nagash-Wandmalerei, die von den Frauen der sogenannten Blumenmänner angefertigt wird. Dieser mehr als 2.000 Jahre alte Stamm ist für den prächtigen Blumenschmuck der Männer auf ihrem Kopf bekannt.

Ästhetik und Harmonie mit der Natur sind wesentliche Elemente der saudischen Kultur, die sich in den dekorativen Mustern traditioneller Kleidung, der Webkunst der Beduinen und in der Fassadengestaltung der Häuser widerspiegeln. Quarz, auch „Qaysumah“, „Maru“ oder „Diamant der Wüste“ genannt, spielte bereits 1.000 v. Chr. in der heutigen in der Östlichen Provinz gelegenen Ausgrabungsstätte Qaryat al-Faw, der Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Kindah, die auf der UNESCO-Vorschlagsliste steht, eine besondere Rolle, wie Artefakte zeigen. Auch heute noch findet man in der Region Hedschas und Nadschd mit Quarz verzierte Häuserfronten, die sich in die Landschaft einbetten.

In der saudischen Kultur, in der Zusammenhalt und Unterstützung der Gemeinschaft eine zentrale Rolle einnehmen, ist auch das gemeinsame Musizieren und Tanzen ein verbindendes Element. Bevorzugte Musikinstrumente sind die Kurzhalslaute, Oud, die Rabab, ein mit dem Bogen gestrichenes Lauteninstrument, und natürlich die Trommel. Ein paar musikalische Kostproben finden Sie unter:

Die zeitgenössische Kunstszene in Saudi-Arabien ist sehr aktiv und breit gefächert. Ausstellungen, Lesungen und Filmpräsentationen finden beispielsweise auch in Deutschland statt, wie bei der Art Berlin oder der Berlinale. Nachstehend nur einige Kostproben:

Weitere interessante Links zu Archäologie & Kultur:

Weitere interessante Links zu Kulturfestivals:

Weitere interessante Links zur Speisekultur:

Weitere interessante Links zur Bekleidungskultur: