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Saudisch-deutsche Wirtschaftsbeziehungen

Die lange Geschichte der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Deutschland reichen zurück bis zur Gründung des Königreichs Saudi-Arabien. Saudi-Arabien hat die Expertise und das Know-How deutscher Experten und Unternehmen stets geschätzt, insbesondere im Hinblick auf Infrastrukturprojekte, welche die Grundlage der heutigen modernen Wirtschaft des Königreichs bilden. So war Deutschland das erste europäische Land, das Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der Hejaz Bahn in die Entwicklung des Königreichs investierte.

Auch heute spielen deutsche Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Landes, wie etwa bei der Realisierung eines modernen öffentlichen Verkehrssystems für Riad sowie bei der Diversifizierung der saudischen petrochemischen Industrie und dem Aufbau des Erneuerbare-Energien-Sektors, um nur einige zu nennen. Deutschland ist Saudi-Arabiens drittgrößter Lieferant importierter Waren. Die deutschen Exporte nach Saudi-Arabien konzentrieren sich insbesondere auf Getreideprodukte, Eisen und Stahl, Autos und Industrieanlagen. Mit Saudi-Arabien erwirtschaftet Deutschland derzeit den acht größten Außenhandelsüberschuss in Höhe von rund 9 Mrd. Euro im Jahr 2015. Das gesamte bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2015 betrug 10,4 Mrd. Euro, etwa eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahr. Nach dem Rekordjahr 2015, fielen die Exporte von Deutschland nach Saudi-Arabien im ersten Halbjahr 2016 um 22,33 Prozent im Vergleich zu Vorjahreszeitraum, von 4,96 Mrd. Euro auf 3,85 Mrd. Euro.

Derzeit sind über 700 deutsche Unternehmen im Königreich tätig, doppelt so viele wie im Jahr 2010. Dies ist ein Beleg für die positive Entwicklung der saudisch-deutschen Handelsbeziehungen. Deutsche Unternehmen sind in Saudi-Arabien besonders in den Bereichen Infrastruktur, erneuerbare Energien und im Medizin- und Gesundheitsbereich tätig und leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.

 

Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung

Das Wirtschaftswachstum lag im Jahr 2015 bei 3,4 Prozent und für 2016 wird mit einem realen Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet. Auch wenn der staatliche Öl- und Petrochemiesektor weiterhin das wichtigste Standbein der saudischen Wirtschaft ist, so expandieren andere Sektoren ihren Marktanteil mit Hilfe der Privatwirtschaft und durch die Unterstützung der Regierung bei der Diversifizierung der Wirtschaft. Gestärkt werden soll der privatwirtschaftliche Sektor zudem durch die ökonomische „Vision 2030“ Strategie. Der Reformplan wurde im April 2016 vom Ministerrat des Königreiches beschlossen. Ein zentrales Ziel des Plans ist es, die Abhängigkeit des Landes vom Öl durch eine Diversifizierung der Wirtschaft zu verringern und die Privatwirtschaft durch die Privatisierung von staatseigenen Unternehmen zu stärken. Ein wichtiger Schritt des Reformprogramms ist die Teilprivatisierung des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco. Die Einnahmen sollen in einen neu gegründeten Staatsfond fließen, welcher der größte Fonds dieser Art weltweit sein dürfte. Aus diesen Mitteln und anderen Initiativen sollen dann unter anderem kleine und mittelständische Unternehmen und Start-ups gefördert werden. Zudem sollen andere Wirtschaftsbereiche signifikant gestärkt werden, wie zum Beispiel der Tourismussektor und der Bergbau. Darüber hinaus sieht das Reformprogramm eine umfassende Überarbeitung des Bildungssystems vor. Ein weiteres Ziel ist die Erhöhung des Beschäftigungsanteils saudischer Bürger auf dem heimischen Arbeitsmarkt und insbesondere die Erhöhung des Beschäftigungsanteil von Frauen an der Wirtschaft.

Ausländischen Unternehmen werden durch die staatliche Investitionsagentur SAGIA und über die Organisation zur Ansiedlung von produzierendem Gewerbe MODON unterschiedliche Anreize angeboten, im Land zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei muss sich die Belegschaft ausländischer Firmen und Joint Ventures ebenfalls zu einem bestimmten Anteil aus saudischen Staatsangehörigen rekrutieren.

Deutschland unterstützt die Berufsausbildung junger Saudis unter anderem das Technical Trainers College (TTC). Darüber hinaus beabsichtigt die Außenhandelskammer Saudi-Arabien (AHK) in Kooperation mit der GIZ ein Pilotprojekt zur beruflichen Bildung durchzuführen, das auf dem deutschen dualen System basiert. Ab September 2016 sollen die ersten saudischen Auszubildenden bei deutschen Unternehmen in Saudi-Arabien ihre Ausbildung beginnen.

Die beiderseitigen Handelsbeziehungen finden auch politische Unterstützung, wie der jüngste Besuch des Deutschen Vizekanzlers und ehemaligen Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel*, in Riad unterstreicht. Begleitet von einer Wirtschaftsdelegation nahm er an der 19. Saudi German Joint Economic Commission sowie dem saudisch-deutschen Wirtschaftsforum in Riad teil. Gegenseitiger Austausch auf allen Ebenen spielt eine wichtige Rolle in der Vertiefung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Deutschland.

Links für Interessierte:
Für Unternehmen, die sich für die Erschließung und Aktivitäten auf dem saudischen Markt interessieren, bietet die AHK Saudi-Arabien ein vielfältiges Informationsangebot. Sie stellt Informationen bereit u. a. zu Wirtschaftszahlen, Wirtschaftsrecht, Zoll- und Einfuhrbestimmungen, Unterstützung bei branchenspezifischen Markterkundungsreisen sowie weiterführende Hintergrundinformationen zu Fördermöglichkeiten und weiteren Dienstleistungen der AHK Saudi-Arabien.

Die Deutsche Bundesregierung und die Bundesländer sind sehr daran interessiert, die Wirtschaftsbeziehung deutscher Unternehmen, vornehmlich KMUs, zu ausländischen Unternehmen zu fördern und sie bei geeigneten Projekten auch finanziell zu unterstützen. Im Rahmen der deutschen Außenwirtschaftsförderung werden verschiedene Förderprogramme zur Erschließung von Auslandsmärkten angeboten. Auch die Beratungsdienstleistungen der AHK Saudi-Arabien sind zuschussberechtigt. Detaillierte Informationen über aktuelle Außenwirtschaftsförderprogramme finden Sie bei der Förderdatenbank.

Die AHK Saudi-Arabien arbeitet eng mit dem Außenwirtschaftszentrum Bayern (AWZ) zusammen. Es wurde im Januar 2001 mit dem Ziel eröffnet, kleine und mittelständische Unternehmen bei der Erschließung neuer Auslandsmärkte zu unterstützen. Die Förderinitiative Fit für Auslandsmärkte Go International richtet sich dabei speziell an Unternehmen aus Bayern. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

*Seit dem 27. Januar 2017 ist Sigmar Gabriel deutscher Außenminister. Seit diesem Tag ist Brigitte Zypries Bundesministerin für Wirtschaft und Energie.